UMAG-03-04-2018_Cover

Aus­ga­be 3/4 • 2018

Treue­schwur der beson­de­ren Art

Editorial

Auch Len­ker brau­chen manch­mal frem­de Hilfe
Horst See­hofer, ein älte­rer, einst mäch­ti­ger Fah­rens­mann im poli­ti­schen Geschäft, bekannt in Bay­ern und im Bund, lässt uns täg­lich teil­ha­ben an sei­nen schwin­den­den Kräf­ten. Das ist an sich nicht wei­ter schlimm, viel­leicht sogar auf gewis­se Art und Wei­se berüh­rend, aber man will es nicht sehen, weil dies Kon­se­quen­zen für uns alle hat, in Mün­chen und in Ber­lin. Es gibt Auf­ga­ben, die man nicht mit hal­ber Kraft machen kann. Dazu zählt das Amt des Innen­mi­nis­ters. Im Übri­gen ge­­hört es zur Selbst­dis­zi­plin, per­sön­li­che Umstän­de, und mögen sie mensch­lich ent­täu­schend und krän­kend sein, nicht zum An­trieb für Ver­hal­ten und Ent­schei­dun­gen von Gewicht wer­den zu las­sen. Alles hat sei­ne Zeit. Statt einen selbst bestimm­ten Rück­zug zu wäh­len, der Frie­den mit der eige­nen öffent­li­chen Bedeut­sam­keit schließt, erle­ben wir ein stän­di­ges Stör­feu­er auf Neben­schau­plät­zen. Süf­fi­san­te Auf­müp­fig­kei­ten im Hin­blick auf die Kanz­le­rin, klei­ne Sot­ti­sen, die sich als Kom­men­ta­re zu Tages­themen geben, sowie Spie­gel­fech­te­rei­en im Koali­ti­ons­ge­zänk. Mit sol­chen rhe­to­ri­schen Wider­stands­ges­ten sichert man sich letz­te Schlag­zei­len und Kame­ra­se­kun­den, aber man stellt eben auch dar, dass man zur Gestal­tung nicht mehr fähig ist.Hinzu kommt, dass nach Franz-Josef Strauß kein Gro­ßer mehr aus dem Vor­al­pen­land in die Regie­rung kam, der nicht bei allem, was er tat, in dau­ern­den Rän­ke­spie­len und Que­re­len daheim an der Isar gebun­den gewe­sen wäre, um sei­ne regio­na­le Haus­macht zu erhal­ten. Die Hei­mat­par­tei CSU geht nicht eben respekt­voll mit ihren obers­ten Reprä­sen­tan­ten um. Das­sel­be gilt natür­lich für die SPD, wenn auch aus ande­ren Grün­den. Hier ist ver­wun­der­lich, dass nie­mand den Gedan­ken hat, dass sich Pro­fil nicht dadurch schär­fen lässt, regel­mä­ßig stra­te­gi­sche Stock­feh­ler zu machen, die erheb­li­chen Wäh­ler­zu­spruch kos­ten, um dann pathe­tisch zu rekla­mie­ren, das ver­lo­re­ne Ver­trau­en durch sei­ne eige­ne Irr­lich­te­rei sei von nun an zurück­zu­ge­win­nen. Ja, wie denn, bit­te­schön? Dabei könn­te es doch ein­fach sein. Die Mus­ter des Ver­sa­gens lie­gen seit Mar­tin Schulz selig offen zu Tage. Sie bestehen in Tak­tie­re­rei­en, deren sekun­dä­re Zwe­cke erkenn­bar sind, wäh­rend au­then­ti­sche Posi­tio­nen feh­len, die mit gesun­dem Men­schen­ver­stand zu wür­di­gen wären.

Das Pro­blem, sein Lebens­werk irgend­wann ein­mal los­zu­las­sen, ken­nen Unter­neh­mer auch. Ein­fach wei­ter­zu­ma­chen, bis es wirk­lich nicht mehr geht, mag mit­un­ter ver­füh­re­risch sein, ist aber nie eine sinn­vol­le Opti­on. Krö­nen­der Abschluss der Kar­rie­re soll­te stets eine sou­ve­rä­ne Nach­fol­ge­lö­sung sein, die im Voll­be­sitz sei­ner Kom­pe­ten­zen gestal­tet wird und die dem Schiff auch für künf­ti­ge Gewäs­ser Vor­trieb ver­leiht. Die Instru­men­te dafür sind zahl­reich gewor­den. Ent­schei­dend ist die Erkennt­nis, dass der Ver­zicht auf die Kom­man­do­brü­cke unter dem Vor­zei­chen der Frei­wil­lig­keit nur Chan­cen gene­riert, für sich selbst auf schöp­fe­ri­sche Erfah­run­gen auf ande­rem Feld und für den Betrieb, der eine Frisch­zel­len­kur bekommt. Die Leis­tung bis hier­hin bleibt völ­lig unbe­nom­men. Man darf sich ins­ge­heim sogar sel­ber loben, falls ein nach­hal­ti­ger Man­gel an glaub­haf­ter Aner­ken­nung bestünde.

Zudem gibt es gute Fremd­ge­schäfts­füh­rer, die ihren Platz in der Fir­ma rich­tig beset­zen und das Ruder in bewähr­ter Wei­se zu bedie­nen ver­ste­hen, was Vor­stän­den, die aus Kon­zer­nen kom­men, nicht so gelingt. Aber das ist Stoff für ein andermal.

Bes­te Grü­ße aus Bonn, Ihr Rein­hard Nen­zel, Chefredakteur

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