UMAG-07-08-2017_Cover

Aus­ga­be 7/8 • 2017

Zwei­fel­haf­te Zuneigung

Editorial

Dis­pa­ra­te Gedan­ken über unse­re Gegenwart
Die bei­den Fra­gen am Ende eines jeden Jah­res sind immer gleich. Was kommt? Was bleibt? Ja, wenn man es denn nur wüss­te! Auf der gro­ßen Büh­ne der Poli­tik und der welt­be­we­gen­den The­men wird es immer schwe­rer, zu urtei­len und Pro­gno­sen zu stel­len. Die Din­ge sind in unse­rer hek­ti­schen, oft hys­te­ri­schen Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft viel zu klein­tei­lig gewor­den. Das Rele­van­te und die tau­send Neben­sa­chen gehen bunt durch­ein­an­der, wobei häu­fig der emo­tio­na­le Auf­re­ger aus Klei­nen­ten­hau­sen mehr Schein­wer­fer­licht als der post­im­pe­ria­lis­ti­sche Groß­klops aus der täg­li­chen Gär­kü­che der Trumps und ande­rer Hero­en der schwach­ma­ti­gen Sim­pli­fi­zie­rung und Ver­fäl­schung von Anstand und Wahr­heit erhält. Nun gut, vie­le Medi­en müs­sen halt sehen, wo sie blei­ben. Mit Enter­tain­ment der Mas­sen lässt sich mehr als mit nüch­ter­ner Auf­klä­rung über Nie­der­tracht und Tücke verdienen.Unternehmer haben es hier uni­for­mer. Kurz vor Sil­ves­ter fokus­siert der Blick zurück noch ein­mal das bes­te Geschäft, die geni­als­te Lösung eines Pro­blems, den schöns­ten Strip­pen­zug, die klügs­te Per­so­na­lie sowie die stärks­te Umsatz­stei­ge­rung mit einem Pro­dukt, das den Wett­be­werb unter Druck hal­ten wird. Dies alles darf sein und muss sogar sein, denn es dient, nach einer aber­ma­li­gen harten
Erfolgs­etap­pe zumin­dest impli­zit, der gesund­heits­för­dern­den Selbst­ver­ge­wis­se­rung per­sön­li­cher Leis­tung. Wer den Mut dazu hat, ruft auch die Nie­der­la­gen auf. Die sind als sol­che zwar immer schlimm und zu ver­mei­den, doch am Ende der Peri­ode zählt nicht, ob man in der Hin­run­de in der Nach­spiel­zeit bei Nebel aus­wärts auf schwe­rem Platz ver­pfif­fen wor­den ist oder ob der Bän­der­riss im Sprung­ge­lenk durch ein böses Foul in der Rück­run­de zur Unzeit kam, son­dern der siche­re Platz in der Abschluss­ta­bel­le. Wer sei­ne Sache ernst nimmt und sein Spiel ver­steht, wird ihn immer wie­der errei­chen. Da soll es ja sogar Wun­der geben. Als Freund des 1. FC Köln glaubt man jeden­falls dar­an. Ein Quent­chen Glück gehört natür­lich dazu.

Was seit Sep­tem­ber in Ber­lin geschieht, mag ver­dut­zen. Der SPD ist zu wün­schen, ihre Wur­zeln wie­der­zu­fin­den. Dies täte Deutsch­land gut. Die Kanz­le­rin wirkt blass. Das Macht­va­ku­um scha­det der Wirt­schaft nicht wirk­lich. Wir regie­ren uns selbst.

Mein per­sön­li­ches High­light 2017 ist eine Tagung gewe­sen, die an einem ange­neh­men Ort die Zukunft von Fami­li­en­un­ter­neh­men reflek­tier­te. Teil­neh­mer waren ganz ver­schie­de­ne the­men­af­fi­ne Men­schen, die beruf­lich und pri­vat man­ches von der Mate­rie ver­ste­hen. Som­me­liers, Kla­vier­stim­mer und Duft­no­ten­prü­fer des inha­ber­ge­präg­ten Mit­tel­stands, gewis­ser­ma­ßen. Über­ra­schen­der Pro­gramm­punkt die­ser Ver­an­stal­tung zu ihrem Aus­klang war, aus Sicht eines abtre­ten­den Eigen­tü­mers oder einer Eigen­tü­me­rin fik­ti­ve Ver­mächt­nis­se zu ver­fas­sen, um der Nach­fol­ge­ge­nera­ti­on ein paar Wor­te aus sei­nem Erfah­rungs­schatz mit auf den Weg zu geben. Ent­stan­den sind in Sum­me über zwan­zig beden­kens­wer­te und bemer­kens­wer­te indi­vi­du­el­le Kon­den­sa­te mit Emp­feh­lun­gen, wie man trotz aller Her­aus­for­de­run­gen aus bewähr­ten Prin­zi­pi­en und aus ver­stan­de­ner Ver­gan­gen­heit viel­ver­spre­chen­de Koor­di­na­ten auf dem Welt­meer der Mög­lich­kei­ten berech­nen kann, um sein Schiff trotz bekann­ter und unbe­kann­ter Klip­pen auf Kurs zu hal­ten. Wir publi­zie­ren die­se Hand­rei­chun­gen für Über­ge­ber und Über­neh­mer als Broschüre.

Bes­te Grü­ße aus Bonn, Ihr Rein­hard Nen­zel, Chefredakteur

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