UMAG-07-08-2016_Cover

Aus­ga­be 7/8 • 2016

Mann mit mar­kan­ten Eigenschaften

Editorial

Wer sei­ne Zie­le hat, braucht kei­ne Vorsätze
Wenn man am Ende die­ses Jah­res inne­hält und sich fragt, was war, was ist und was bleibt, wird es wie stets erst um eine Kurz­bi­lanz des Unter­neh­mens gehen. Aber die ist bekannt, man hat ja alles Mög­li­che getan und man weiß es auch noch. Per­sön­lich und pri­vat gibt es im Zwei­fel grö­ße­ren Nach­hol­be­darf, The­men, die auch wie stets zu klein gespielt wor­den sind, zuzu­las­sen, zu ord­nen und zu betrei­ben. Das geht bloß nicht ad hoc. Mit Pech wer­den sie erneut in die Wie­der­vor­la­ge ver­scho­ben, weil inso­fern nicht abseh­bar scheint, wann Stim­mung und Muße für sie rei­chen. Leich­ter fällt, die Poli­tik und unse­ren Zeit­geist zu reflek­tie­ren, der mit ver­ant­wort­lich da für ist, dass vie­les, was in jedem Leben wich­tig wäre, dau­er­haft ins Hin­ter­tref­fen gerät. Wir befin­den uns in einer bom­for­ti­onö­sen Ablenkungsära.Die Nach­rich­ten­for­ma­te füt­tern uns täg­lich mit zwei Sor­ten von Infor­ma­ti­on. Die eine kon­fron­tiert uns mit Ter­ror, Krieg, Kata­stro­phen, Kri­mi­nel­lem, Schre­cken und Leid, ohne dass erkenn­bar wäre, was die­se Wahr­neh­mung von all­ge­gen­wär­ti­gem Mord und Tot­schlag und sei­nen Fol­gen aus­lö­sen will. Die ande­re Sor­te sucht noch im kleins­ten Akt die Sen­sa­ti­on, so dass man sich fra­gen darf, nach wel­chen Kri­te­ri­en Mit­ge­teil­tes über­haupt zustan­de kommt. Ich wür­de mich kaum ärmer füh len, wüss­te ich weni­ger von Pegi­da und von der AfD, von Ein­zel­schick­sa­len aller Art, von Ahnungs­lo­sen, die als Vol­kes Stim­me Mut­ma­ßun­gen in Stra­ßen­mi­kro­pho­ne spre­chen, und von Exper­ten für jed­we­de Ereig­nis­art, ger­ne auch im Bör­sen­kon­text, die zwar viel­leicht die Theo­rie ihres Fachs, aber nur sel­ten die Lebens­pra­xis beherr­schen. Wer befin­det mit wel­chem Rele­vanz­ka­tas­ter dar­über, was für uns alle ins Beden­ken gehört? Wel­che Prä­mis­sen und wel­che Fil­ter sind hier gesetzt?

Bei­spie­le, die eben­so Über­druss erzeu­gen, sind Aller­welts­be­mer­kun­gen von Reprä­sen­tan­ten irgend eines Sys­tems, einer Par­tei, einer gesell­schaft­li­chen Grup­pe, eines Ver­bands oder eines Ver­eins, des­sen Zweck es ist, inter­es­sen­ge­lei­te­te Auf­fas­sun­gen zu ver­tre­ten. Zu wel­cher Selbst­kri­tik soll der Nutz­nie­ßer einer Sache fähig sein? Die Insze­nie­rung der Medi­en, Bana­li­tä­ten durch nach­fas­sen­de Erfor­schung zu adeln, ret­tet den Stuss nicht. Fra­ger und Befrag­ter gera­ten nie anein­an­der, und wenn dann doch ein­mal, nicht im Kern. Der schein­in­ves­ti­ga­ti­ve Dis­kurs wird von bei­den Sei­ten kon­trol­liert. Dies alles hat kei­nen Erkennt­nis­ge­winn, son­dern dient der Auf­recht­erhal­tung des Sta­tus quo. Das ist das eine. Das ande­re ist, dass in der Rea­li­tät im Wind­schat­ten des an sich Bedeu­tungs­lo­sen gesell­schaft­li­cher Wan­del geschieht. Mehr­hei­ten, die nicht die aller­bes­ten Vor­aus­set­zun­gen haben, um über sinn­vol­len Fort­schritt zu befin­den, fin­den sich neu und wach­sen. In die­sem Sin­ne ist die wich­tigs­te Wäh­rung der Gegen­wart, sich in Über­ein­stim­mung mit Vor­ge­präg­tem zu brin­gen und in Über­ein­stim­mung mit Vor­ge­präg­tem zu sein. Das geht gut, solan­ge Kli­schees und die ver­meint­li­che Kor­rekt­heit der Mas­se regie­ren, statt dass die Über­le­gung her­aus­ge­for­dert wird, ob das, was wohl geschieht, genau­so, wie es allent­hal­ben kom­men­tiert wird, gesche­hen soll­te oder gar gesche­hen muss.

In kei­nem Unter­neh­men lie­ße sich so exis­tie­ren, geschwei­ge denn erfolg­reich sein. Din­ge, die scha­den oder die nicht funk­tio­nie­ren, unter­fal­len als­bal­di­ger Ver­än­de­rung. Das kann viel mehr als Fal­sches zu dul­den. Dies möge auch 2017 so sein.

Bes­te Grü­ße aus Bonn, Ihr Rein­hard Nen­zel, Chefredakteur

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