UMAG-07-08-2015_Cover

Aus­ga­be 7/8 • 2015

Der Wunsch als Mut­ter des Gedankens

Editorial

Von der Not­wen­dig­keit, Rol­len rich­tig zu besetzen
Wenn ein arbeits­rei­ches, inten­si­ves Jahr zu Ende geht, darf man kurz inne­hal­ten, um sei­nen unter­neh­me­ri­schen Erfolg und Ertrag nach­zu­be­trach­ten. Was hät­te gesche­hen sol­len und was geschah? Ver­mut­lich wird es wie immer gewe­sen sein: Eini­ge Vor­ha­ben wur­den rea­li­siert, meist klei­ne­re Pro­jek­te, ver­meint­lich Wich­ti­ges blieb dafür lie­gen und wird auf neue Rech­nung vor­ge­tra­gen oder hat sich durch alter­na­ti­ve Ideen über­lebt. Je über­schau­ba­rer eine Orga­ni­sa­ti­on ist, um so mehr ist sie jeden­falls in Gefahr, gebo­te­ne Ver­än­de­run­gen nicht rasch und radi­kal genug zu bewäl­ti­gen. Das lau­ni­sche Tages­ge­schäft domi­niert mit »Trou­ble shoo­ting« und mit tau­send The­men, die nicht alle umsatz­re­le­vant sind. Die stra­te­gi­sche Kom­po­nen­te kommt dabei zu kurz und zwar vor allem dann, wenn der Markt­an­satz wenig nach­fra­ge­ori­en­tiert ist. Wer anbie­ten muss, geht lan­ge Wege, hat aber auch nur eine Zeit. Das ist ein ewi­ges Pro­blem, das von Außen­ste­hen­den gern gelöst wird.Da im Kopf des Unter­neh­mers regel­mä­ßig Karus­sell gefah­ren wird, da er krea­tiv, wie er nun mal ist sowie pau­sen­los opti­mie­rungs­af­fin, stän­dig Ein­ge­bun­gen hat, was alles sofort getan wer­den müss­te, um nach­hal­tig bes­ser dazu­ste­hen, ist völ­lig unrea­lis­tisch, von ihm auch die kom­plet­te Umset­zung sei­ner Wün­sche zu erwar­ten. Sei­ne Auf­ga­ben sind zu ahnen, zu den­ken, zu erken­nen, zu rech­nen, zu bewer­ten, abzu­schät­zen, ein­zu­schät­zen, zu sor­tie­ren, Impul­se zu set­zen, zu erklä­ren und zu prü­fen, ob sei­ne Vor­stel­lun­gen wenn schon nicht exakt, wie bestellt, so doch wenigs­tens sinn­ge­mäß qua­li­täts­ge­si­chert erfüllt wor­den sind. Unter­neh­mer sind wie Zünd­ver­tei­ler: Sie las­ten Füh­rungs­kräf­te und Mit­ar­bei­ter mit Auf­ga­ben aus, die der Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät oder der Gewinn­per­spek­ti­ve die­nen, und lei­ten sie an, ihre Kraft und ihre Kom­pe­tenz klug und effi­zi­ent in den
Dienst der Sache zu stel­len. Das bes­te Bild ist das des Diri­gen­ten. Unternehmer
beherr­schen in der Regel jedes Instru­ment in ihrem Orches­ter, sie schrei­ben das
Arran­ge­ment, lesen die Par­ti­tur, geben Ein­sät­ze und steu­ern den Ton des Ensem­bles. Anzu­neh­men, dass sie außer­dem auch noch selbst die Strei­cher, die Obo­en und die Hör­ner geben, ist fri­vol. Es reicht, dass sie es im Zwei­fel sau­ber könnten.

Wie aber fin­det man die Men­schen, die man für einen sol­chen leistungsfähigen
Klang­kör­per braucht? Jeden­falls nicht, indem man sche­ma­tisch im Hin­blick auf
die Aus­bil­dung rekru­tiert, es sei denn, man sucht rou­ti­niert Maschinenbediener
oder Fach­kräf­te, die Stan­dards dar­stel­len, oder Leu­te, die nach Arbeits­norm getak­tet sind. Wer pro­fi­lier­te, selbst­be­wuss­te und ten­den­zi­ell sogar wider­spens­ti­ge den­ken­de Wesen braucht, um aus abs­trak­ten Vor­ga­ben im selb­stän­di­gen Rück­griff auf die Res­sour­cen prak­tisch ver­wert­ba­re Wett­be­werbs­vor­tei­le zu gene­rie­ren, folgt stren­gen Prin­zi­pi­en für die Aus­wahl, hat einen aus­ge­fuchs­ten Kri­te­ri­en­ka­ta­log oder besitzt eine untrüg­li­che Intui­ti­on. Am bes­ten wird die Kom­bi aus allen drei Bau­stei­nen sein. Spä­te­re Lei­den­schaft in der Arbeit, die regel­mä­ßig zu guten Ergeb­nis­sen führt, setzt einen Cha­rak­ter mit Durch­hal­te­ver­mö­gen vor­aus, der ler­nen und meis­tern will. Inso­fern ist nicht so wich­tig, dass jeder alles weiß, was der erfah­re­ne, vor­aus­schau­en­de Unter­neh­mer weiß, son­dern dass jeder alles kann, was ein pro­spe­rie­ren­des Unter­neh­men braucht. Der Ansatz sorgt für eine Fir­men­kul­tur mit nütz­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on. Womög­lich ein Ziel für 2016.

Bes­te Grü­ße aus Bonn, Ihr Rein­hard Nen­zel, Chefredakteur

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