UMAG-03-04-2019_Cover

Aus­ga­be 3/4 • 2019

Wenn zwei sich streiten …

Editorial

Die Digi­ta­li­sie­rung hält man­che Aben­teu­er bereit

 

Eigent­lich hat man es ja vor­her gewusst, aber viel­leicht nur nicht wahr­ha­ben wol­len. Dafür wis­sen wir es jetzt ganz ge­nau und könn­ten es also jeder­zeit bes­ser machen. Das ist ja grund­sätz­lich etwas wert, bloß nicht im vor­lie­gen­den Fall, weil der zu den nicht stän­di­gen Vor­komm­nis­sen zählt. Auch wir haben uns in den Zei­chen der Zeit für eine neue IT ent­schie­den, Hard­ware, Soft­ware, Ser­ver, Netz­werk, Lizen­zen, das vol­le Pro­gramm. Hin­ter­grund ist, dass wir dran mit der Maß­nah­me waren, nach­dem wir lan­ge der Ver­su­chung wider­stan­den hat­ten, di­gi­ta­­­ler Fortschritts­eu­pho­rie zu frö­nen. Ich wur­de in der Volks­schu­le noch mit Schiefer­ta­fel, Holz­li­ne­al und Mor­gen­ge­bet begrüßt und habe mir in Kennt­nis die­ser robus­ten Lösun­gen gewis­se Skep­sis gegen jeden Wan­del in Kom­ple­xi­tä­ten bewahrt, was ver­hal­tens­öko­no­misch damit zu erklä­ren ist, dass ich etwas, was ich als Bedie­ner oder Nut­zer kann, nur ungern mit jeder Gerä­te­ge­ne­ra­ti­on wie­der ler­ne. An die­ser Stel­le sei allen, die kei­ne neue Was­ser­kes­sel- oder Brat­pfan­nen­tech­no­lo­gie erfin­den, gedankt. Das, was an den Tools anders wer­den muss, möge sich auf wirk­lich for­mi­da­ble neue Leis­tungs­um­fän­ge oder auf die Welt­ver­bes­se­rung beschränken.Die alte Instal­la­ti­on lief jeden­falls sta­bil, auch ohne täg­li­che Updates. Hacker in­teressierten sich nicht für uns oder sie hat­ten offen­bar resi­gniert, ihre Schad­pro­gram­me uneh­ren­haft in unser vor­tro­ja­ni­sches Betriebs­sys­tem zu ent­sen­den. Der Gau trat dann durch zwei Tore ein. Die Brow­ser­leis­tun­gen lie­ßen suk­zes­si­ve nach und die Cli­ents, die Arbeits­platz­rech­ner, gaben einer nach dem ande­ren auf, Gra­fik­kar­ten, Main­board, Lüf­ter, das Übli­che halt. Ersatz­teil­be­schaf­fung aussichtslos.Die neue Infra­struk­tur wur­de mit unse­rem exter­nen Fach­mann nach den Regeln einer geord­ne­ten Beschaf­fung geplant, bud­ge­tiert und beschafft. Soli­de Ware aus dem Regal, tech­nisch auf dem letz­ten Stand. Alles aus einer Hand, kei­ne Fri­cke­lei. Dann nahm das Unver­meid­li­che den­noch sei­nen Lauf. Statt einer schlan­ken, ele­gan­ten Instal­la­ti­on und einem kon­trol­lier­ten Über­gang, der als Aus­tausch der Anla­gen zu einem Stich­tag vor­ge­se­hen war, stell­ten sich plötz­lich Stö­run­gen in der Kon­fi­gu­ra­ti­on der neu­en Infra­struk­tur ein, die von der beherrsch­bar schei­nen­den Aus­nahme den Weg zur Regel fan­den und sich ver­selb­stän­dig­ten. Die Dis­kus­sio­nen der mög­li­chen Ursa­chen ufer­ten aus. Die In­kompatibilitäten von Kom­po­nen­ten und irra­tio­na­le Feh­ler rie­fen unschö­ne Nach­käu­fe alter­na­ti­ver Rou­ter, Split­ter, Swit­ches und Raid-Sys­te­me her­vor, bis sich klär­te, dass wir das­sel­be Pro­blem wie Euro­pa hat­ten, näm­lich ver­schie­de­ne Geschwin­dig­kei­ten in der Signal­ver­ar­bei­tung, was an sich gleich gesinn­te Com­pu­ter und Peri­phe­rie­ge­rä­te gern verstimmt.

Inzwi­schen darf ich mich für einen semi­pro­fes­sio­nel­len Lai­en hal­ten, der sei­nen wach­sen­den Fun­dus an IT-Bröck­chen­wis­sen nutzt, um wie­der Lebens­zu­ver­sicht zu fin­den, da die vom Fach­mann ange­bo­te­nen Theo­rie­mo­del­le zur Bewäl­ti­gung der offe­nen Fra­gen den Schre­cken völ­li­ger Unver­ständ­lich­keit ver­lie­ren. Mein Feh­ler war, dass ich zwar gründ­lich und prä­zi­se an das Pro­jekt her­an­ge­gan­gen bin, aber nicht erkannt hat­te, wel­che Fak­ten hin­sicht­lich der erfolgs­kri­ti­schen Din­ge in der Welt der Bits und Bites mir fehl­ten. Ich hät­te im Vor­feld viel mehr fra­gen müs­sen. Inso­fern ist kein Unter­neh­mer um sei­nen Pfad in die »Indus­trie 4.0« zu beneiden.

Bes­te Grü­ße aus Bonn, Ihr Rein­hard Nen­zel, Chefredakteur

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